Buntes Völkchen stoppt braunes Grillfest

- Mit Nazis ist alles blöd
Es war wieder das schon jetzt berühmte LAGA-Wetter. Mag es am Sonntagabend oder Montag regnen und dann auch nur einen blumenschonenden weichen Landregen, am Freitag - Sonnabend und Sonntag ist bis zum Einbruch der Dunkelheit eitel Sonnenschein und so war es auch am Sonnabend, dem 16. Mai 2009, auf dem Markt in Netzschkau sonnig, als sich zahlreiche Demonstranten zu einer Kundgebung gegen die Neueröffnung des rechtsradikalen Ladens „Nordlicht” trafen.

Henry und OB Kießling im Gespräch
Und zu dem sommerlichen Wetter passte auch, dass die Teilnehmer der Demo bunt gemischt waren, die Bürgermeister von Netzschkau, Limbach und Mylau, Müller, Damisch und Schneider, letzterer brachte auch noch fast alle Stadträte quer durch alle Stadtratsfraktionen mit.
Aus Reichenbach kam OB Dieter Kießling - dem wohl die Musik der linken Jugend nicht so recht behagte- mit Wolfgang Eckstein von der Stadtverwaltung und natürlich kamen Stadträte und Kreisräte der Linken, wie z. B. Henry Ruß, Dr. Wolfgang Netzsch, Karin Höfer, Christel Handler, Matthias Gruber … sowie von der SPD Kreisrat Uwe Kukutsch und Stadtrat Rainer Gruschwitz. Für entbehrlich hielten die Reichenbacher Stadtratsfraktionen von CDU, FDP und BIA ein öffentliches Bekenntnis gegen Rechts.

Sehr bezeichnend und erschreckend war, dass der Hauseigentümer der das Ladengeschäft an die Rechten vermietet hat, diese noch rechts überholte, in dem er ein Plakat am Haus anbrachte und der Stadt die Schuld dafür gab, dass er an die Rechten vermieten musste.

Das zeigt, dass wir wieder in einer ähnlichen Situation wie Ende der Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts waren, als die Nazis durch die Weltwirtschaftskrise Zulauf insbesondere aus dem Kleinbürgertum bekamen, das durch diese Krise, aber auch bereits durch die Inflation Anfang der Zwanziger Jahre ihre kleinen Firmen verlor und verarmte. Bestes Beispiel ist dabei der Plauener Martin Mutschmann, der dann als Sachsens Gauleiter großer Karriere unter Adolf Hitler machte und zuvor auch seine kleine Firma verloren hatte, sehr interessant und aufschlussreich ist diesbezüglich das Mutschmann oder „König Mu” gewidmete Heft 2/2007 des Historikus-Vogtland.
In dieses Bild, der gescheiterten Existenz die ihr Heil bei den Rechten sucht, passt auch der Spitzenkandidat der NPD zur Stadtratswahl in Reichenbach Steffen Schmidt.

Schon jetzt haben sich Teilnehmer der Demo bei handverlesen gemeldet und angeregt, dass diese solange in regelmäßigen Abständen durchgeführt wird, bis die Nazi auch ihren Laden in Netzschkau schließen, zu wünschen wäre es. Hier geht halt die Bitte an Wolfgang Netzsch, welche Möglichkeiten er diesbezüglich sieht und an alle welche Unterstützung dieser Vorschlag erhalten kann.

Sag mir wo Du stehst!
Vielleicht finden sich ja dann auch die auf dem Bürgersteig vor dem Rathaus stehenden Zuschauer auf dem Markt ein und werden vom Schaulustigen zum bekennenden Gegner der Nazis in Netzschkau.
Ideen und Rückmeldungen können gerne auch an handverlesen geschickt werden, ich leite es dann weiter.

P. S.: Ob Herr Martin & Co. ihr angekündigtes Grillfest noch durchgeführt haben, wurde handverlesen nicht zugetragen, aber es dürfte ihnen, umgeben von so vielen netten Polizeibeamten, man sprach von 300, nicht so recht geschmeckt haben.
Alle Fotos: handverlesen, außer Foto 4.: Dr. Netzsch