handverlesen

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Henry´s Wort zur Jugendweihe 2009

Wie versprochen möchte handverlesen heute einen Auszug aus einer - nicht gehaltenen - Rede von Henry Ruß an die Jugendweihlinge des Jahres 2009 veröffentlichen. Henry dessen Jugendweihereden legendär sind, wird, so zumindest sein Ansinnen, nachdem er seine schwere Krankheit bezwungen hat, ab dem Jahr 2010 wieder  die Jugendweihereden in Reichenbach und Umgebung halten.

Darauf dürfen wir uns schon jetzt freuen.

Hier nun sein handverlesener Redeauszug für 2009: 

handverlesener Autor: Henry Ruß

handverlesener Autor: Henry Ruß

 

Ich könnte verrückt werden über die Unordnung in deinem Zimmer. Wie oft habe ich schon gepredigt, dass jeden Tag ein paar wenige Handgriffe genügen, damit das Zimmer einigermaßen sauber und aufgeräumt ist.

Und da fällt mir dein kleiner Kuschelhund ins Auge und mein Ärger ist fast schon weg. Eigentlich war das nur eine Zugabe zu einem elektronischen Fieberthermometer, welches Mutti und ich gekauft hatten, kurz nachdem du geboren wurdest. Es wurde von stund an dein Lieblingskuscheltier. Wehe, es wurde im Kindergarten vergessen oder musste gewaschen werden, so dass du die Nacht ohne ihn verbringen musstest.

Ja und wo ich den nicht aufgeräumten Teller neben deinem Laptop sehe, erinnere ich mich  als wäre es erst vorgestern gewesen, als ich dich eines sonntags beim Tischdecken  gefragt habe, ob du einen Kinderteller oder einen Erwachsenenteller haben möchtest. Natürlich einen Erwachsenenteller hattest du gesagt, schließlich bist du schon groß. Dabei warst du doch erst 5 Jahre alt.

Heute bist du fast 15 und würdest wohl bei der Frage, auch wenn sie nur aus Spaß gestellt würde, vorwurfsvoll die Augen verdrehen und dabei denken, dein alter Herr ist wohl ein wenig durcheinander.

Aber egal wie alt du bist, ich mache mir die selben Sorgen wie damals. Ich weiß noch wie ich eines abends an deinem Bettchen saß, du warst wahrscheinlich schon im Reich der Träume, und habe geschaut, ob mit dir alles in Ordnung ist. Eigentlich war nichts Besonderes, aber an diesem Tag hatte man im Fernseher berichtet, dass in Belgien ein junger Mann mehrere Kinder und auch eine Erzieherin in einem Kindergarten mit einem Messer getötet hatte. Sofort dachte ich darüber nach, wie einfach es war, in deinem Kindergarten zu kommen, ohne sich irgendwie legitimieren zu müssen.

Das ist lange her, aber heute plagen mich wieder neue Sorgen und Ängste. Was ist, wenn auch an deiner Schule ein durchgeknallter Typ mit der Pistole seines Vaters herumballert und Menschen dabei tödlich verletzt? Warum wird nicht endlich ein Waffengesetz erlassen, dass es Privatpersonen verbietet, Waffen mit nachhause zu nehmen. Wenn es wesentlich schwieriger wäre, an solche Waffen heranzukommen, dann wäre das Risiko auch geringer, dass offenbar psychisch krankte Jungendliche zu solchen Taten fähig werden. Wobei auch ich mir darüber im Klaren bin, dass es mehr braucht, als nur alle Waffen sicher wegzuschließen. Das fängt bei der Erziehung im Elternhaus an, deshalb hast du auch heute noch keine Gewaltvideospiele, geht über die Schule bis hin zur gesamten Gesellschaft. Leider ist diese kein Vorbild. Wie kann es denn auch sein, dass in unserem Land ca. 30 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz existieren? Naja, und die täglichen Bilder von kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt nehmen ja nicht ab, sondern nehmen scheinbar zu.

Du hast mich letztens gefragt, warum man erst ganze Länder in Schutt und Asche legt, um dann Konferenzen abzuhalten, die beschließen sollen, wie viele Milliarden zum Wiederaufbau bereitgestellt werden. Ja, diese Verlogenheit möchte ich auch gern wissen. Auch unser Land gibt Millionen, nachdem man es zugelassen hat, dass todbringende, von deutschen Firmen produzierte Waffen in diese Länder exportiert werden. Wenn man die Damen und Herren Politiker fragt, dann geht es um die Erhaltung von Arbeitsplätzen auch in dieser Industrie, obwohl inzwischen jeder einigermaßen gebildete Bürger weiß, dass mit der Entwicklung und Produktion von Umwelttechnologie genauso Geld zu verdienen ist.

Was könnte man nicht alles mit den rund 750 Milliarden Euro anfangen, die allein die Nato für Rüstung jedes Jahr ausgibt? Man könnte z.B. in Umwelttechnologien investieren oder einfach nur den Hunger in der Welt beseitigen, wofür nur rund schlappe 35 Milliarden Euro pro Jahr nötig wären. Alle 6 Sekunden stirbt auf der Welt ein Kind, weil es nichts zu essen bzw. zu trinken hat. Oder man könnte auch in die Erforschung von Krankheiten und deren Heilungsmethoden investieren.

Mir war zum Lachen und zum Weinen, als du mich damals mit deiner kindlichen Vorstellung fragtest, wie denn der Krebs in mich hinein gekommen ist. Ich hatte dir versucht zu erklären, dass es nicht so ein Krebs ist, wie du ihn aus den Bilderbüchern kanntest. Aber es war wohl für einen fünfjährigen kleinen Jungen noch nicht nachvollziehbar, was da mit seinem Papa passierte. Nie werde ich den einen Tag vergessen, als du mich nicht weggehen lassen wolltest, weil ich wieder in das Krankenhaus musste.

Während dieser Zeit hatte ich einen Arzt gefragt, wie man denn in 20 Jahren eine solche Krankheit bekämpfen wird. Er sagte mit einem Lächeln, na dann bekommen sie ein paar Tabletten, allerdings nur, wenn in den 20 Jahren genügend in die Forschung gesteckt wird.

Und so gibt es bestimmt genügend vernünftige Dinge, wofür man das Geld einsetzen könnte.

Ganz abgesehen davon, dass die Einen soviel haben, dass sie es im ganzen Leben nie ausgeben können und andere Menschen jeden Monat rechnen müssen, um über die Runden zu kommen. Es ist doch krank, wenn ein Schauspieler in Hollywood für einen Film 20 Millionen bekommt, wofür eine Putzfrau und selbst ein Arzt, der Leben rettet, mehrere Leben dafür bräuchte, um soviel zu verdienen.

Wahre Werte und Leistungen von Menschen werden kaum noch anerkannt. Wie sollt ihr jungen Menschen lernen, was wirklich wichtig ist, wenn Euch ständig Scheinwelten vorgegaukelt werden? Werde Deutschlands Superstar und die Welt liegt dir zu Füßen.

Zum Glück, oder auch nicht, kannst du nicht so besonders gut singen, so dass du gar nicht erst auf die Idee kommen würdest, ein Superstar werden zu wollen. Du hast andere Stärken. Ich hoffe, du kannst sie verwirklichen und stößt nicht an Grenzen, die dich daran hindern, deinen Plan vom Leben umzusetzen.

Ich habe immer versucht, dich zu lehren, dass nicht das Geld das Maß aller Dinge ist. Und ich glaube an die Vernunft der Menschen. Früher oder später wird sich diese Vernunft durchsetzen!

Das Leben wird uns belohnen mit Momenten des Glücks, mit faszinierenden Wundern, die uns täglich begegnen. Augenblicke der Ewigkeit, die uns die Schönheit des Lebens vor Augen führen und uns Kraft für das Heute und Morgen geben.

Der Moment deiner Geburt, wie du mit einer kleinen Hand nach der meinen gegriffen hast, deine strahlenden Augen, als du die ersten Runden auf deinem neuen Fahrrad gedreht hast, dein Stolz über die erste 1 in der Schule, oder auch die träumerischen Blicke von dir, als ich danach fragte, ob du mit Lena im Kino warst. All diese Momente und noch viele mehr machen dieses Leben lebenswert.

Und ich bin froh, dass ich dich habe und bei dir sein kann, auch wenn dein Zimmer wieder einmal nicht aufgeräumt ist.

 


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Die Leichen im Keller der „freien Welt“ oder “Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.”

 

Rostock, G8-Gipfel, 02.06.2007, 18.14 Uhr
 
Die Kommunistin, auch das muss mal wieder gesagt werden, Rosa Luxemburg musste ja seit der Wende für so fast alles herhalten, um die DDR zu diskreditieren, aber so ganz traute ihr das neue System, dessen Vorgänger für den Mord an ihr – so u. a. der Sozialdemokrat Noske („Einer muss der [...]

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Israel führt Apartheid ein

Nehmen wir ein weiteres Beispiel: „Alle Menschen sind gleich.”
 
Und nehmen wir Beispiel: Israel
 
Ok ich gebe zu eines meiner oft genutzten, aber immer neue Ungerechtigkeiten verlangen nach Wiederholung, da nur die verdeutlicht.
 
1.
DLF, die Leser von handverlesen erinnern sich: mein Lieblingsaufregradio, am 15.04.2009 hören meine misstrauischen Ohren neue Töne: Israel enteignet Land von Palästinensern, natürlich ohne Entschädigung, [...]

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Folter auf Kuba straffrei

 
Oder nehmen wir doch einfach mal Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar”, da steht nichts von Moslem oder Christ, Atheist oder Vegetarier.
Und nun stelle ich mir grade vor welches Wolfsgeheul durch die bürgerlichen Medien ginge, wenn diese Überschrift das sozialistische Kuba der Gebrüder Castro betreffen würde.
 

Quelle ND, 18. / 19.04.2009
 
 Aber ich [...]

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Kuba - Die „,Freie’ Presse“ und der ewige Antikommunismus

Apropos Freie Presse, die beließ es, als schon weltweit die empörten Kommentare über Obama´s Folteramnestie zusammenschlugen, in ihrer Wochenendausgabe bei einem wertfreien Bericht darüber und widmete ihrem Kommentar lieber dem Tauwetter zwischen dem sozialistischen Kuba und den kapitalistischen, um nicht gleich imperialistischen sagen zu müssen, USA, treffend mit
 
„Ende der Eiszeit”
„Dialog Kuba - USA beginnt”
 
überschrieben.
 
Aber Uli [...]

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Enka - Untergang oder nur “abgewrackt”?

Und nun noch zum “Recht auf Arbeit und soziale Teilhabe” - ach Verzeihung, das steht nun gerade nicht im Grundgesetz, naja vielleicht in der - nun auch von Müntefering versprochenen - gesamtdeutschen Verfassung.
 
So eine Zeitung hat ja ihre Tücken, man will - obwohl das hier ja freiwillige Feierabendarbeit  ist -  immer was bringen und manche [...]

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