handverlesen

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Heimerziehung (in der alten BRD): Lebenshilfe oder Beugehaft? Gewalt und Lust im Namen Gottes

 

Bereits der erste Beitrag zu den verschämten Einzelmeldungen hat handverlesen  einen kompetenten Kommentator gebracht: Alexander Markus Homes. Herr Homes hat darüber ein Buch geschrieben, in dem anhand von Einzelfällen kleine Einblicke in ein System des Missbrauchs von Kindern in der ehemaligen Bundesrepublik gegeben wird.

 

Für handverlesen ergeben sich daraus Fragen, die ich versuchen werde in einem Interview mit Herrn Homes zu klären.

 

Hier nur der Kommentar von Alexander Markus Homes in handverlesen:

  

Eingereicht am 01.07.2009 um 09:56

Ich bin Autor und Journalist. Zum Thema Heimerziehung (West- und Ostdeutschland) habe ich im Mai 2006 das Buch “Heimerziehung: Lebenshilfe oder Beugehaft? Gewalt und Lust im Namen Gottes” veröffentlicht, das bei Books on Demand GmbH, Norderstedt (ISBN 3-8334-4780-X), erschienen ist. Dort habe ich auch mein Buch “Von der Mutter missbraucht. Frauen und die sexuelle Lust am Kind” (ISBN 3-8334-1477-4) veröffentlicht.

In einem Kapitel geht es beispielsweise um Heimkinder, die in den fünfziger und sechziger Jahren - bis Anfang der siebziger Jahre - insbesondere in christlichen Heimen schwer misshandelt wurden (so beispielsweise im Eschweiler Kinderheim St. Josef und Kinderheim St. Hedwig in Lippstadt). Im Fall St. Hedwig liegen mir zwei eidesstattliche Erklärungen von Betroffenen vor, die versichern, von der damaligen Kinderärztin mittels Injektionen im Genital - und Blasenbereich misshandelt worden zu sein.

Es waren insbesondere Nonnen - nicht alle -, die, wie zahlreiche Betroffenenberichte in diesem Buch aufzeigen, im Namen Gottes Heimkinder prügelten, malträtierten, quälten, erniedrigten und entwürdigten, um ihnen Disziplin, Gehorsam, Fleiß, Sauberkeit, Unterordnung und den Glauben an ihren Gott aufzuzwingen. Die „Bräute Jesu Christi” gehörten Schwestern-Orden an wie beispielsweise der „Ordensgemeinschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi” in Dernbach, dem „Orden der Hedwigschwestern” in Berlin und dem „Paderborner Vincentinerinnen-Orden”.

Nicht nur in früheren Jahrzehnten wurden Heimkinder gequält, sexuell missbraucht und gedemütigt. Ich beschreibe auch zahlreiche Fälle aus den 90er Jahren - beispielsweise schwere Misshandlungen, sexueller Missbrauch, Freiheitsberaubung im St. Joseph-Haus in Seligenstadt (1992), St. Josef-Stift in Eisingen bei Würzburg (1995), Don Bosco-Internat in Bendorf bei Neuwied (1995) und St. Kilian in Walldürn bei Mosbach (1995). Und ich beschreibe einen Fall aus Anfang 2001 (Außenwohngruppe des Vereins Lebensgemeinschaft Meineringhausen in Frankenberg - nähe Marburg) und einen weiteren Fall aus Anfang 2006 (Kinderheim Martinshof in Wachtberg bei Bonn).

Im Buch enthalten ist auch ein Interview, das ich mit einer Nonne vom „Orden der Armen Dienstmägde Jesu Christi” geführt habe. Die Nonne berichtet ganz offen und ehrlich, wie „im Namen Jesu Christi” Kinder in einem katholischen Heim, in dem sie arbeitete, körperlich und seelisch gequält, gedemütigt, bestraft wurden. Mit dem Straf- und Unterdrückungsinstrument „Gott”, so die Nonne, wurde den Kindern Gehorsam, Willigkeit, Anpassung und Unterwerfung abverlangt. Sie selbst bekennt sich dazu, Kinder auf das Schwerste misshandelt zu haben.

Alexander Markus Homes

 

Und als Anhang noch die Anfrage von  handverlesen an Herrn Homes für ein Interview. Fragen die die Leser von handverlesen an Herrn Homes haben , bitte ich schon jetzt an mich zu richten , bzw. als Kommentar zu verfassen.

 

  

Sehr geehrter Herr Homes,

als Herausgeber von handverlesen möchte ich mich für Ihren Kommentar zu dem Thema Missbrauch von Heimkinder in der christlichen Heimen der alten Bundesrepublik herzlich bedanken. Wie Sie sicher gelesen haben läuft dieses wichtige Thema, das  tausende von Mitbürgern persönlich betrifft unter der Rubrik “Verschämte Einzelmeldung”, da die meinungsbildenden Medien dieses Thema nur anreißen, um die Ausmaße des Missbrauchs und die staatliche Duldung von diesen kleinzureden.

Falls es Ihre Zeit erlaubt würde ich gern in Form eines Interviews Fragen an Sie zu diesem Thema stellen, die sich bei der Befassung ergeben haben. Da Sie über ein weitaus größeres und fundierteres Wissen dazu verfügen, würde ich dieses gern an die Leser von handverlesen weitergeben.

Eine Frage bewegt mich als Jurist besonders, die vorgeblich rechtstaatliche Justiz der alten BRD muss doch bei der Vielzahl der Fälle, die Presse spricht von hunderttausenden Betroffenen doch im Laufe der Jahre - also bereits in den 50ziger und 60ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von diesen Missbrauchsfällen Kenntnis erlangt haben, warum ist da kein Verfahren eingeleitet worden?

- Die Kinder sind doch erwachsen geworden, warum haben sie dann keine rechtlichen Schritte eingeleitet?

- Wurden solche Verfahren von der Staatsanwaltschaft nicht verfolgt? Warum?

Die für politische Straftaten zuständige Oberstaatsanwältin aus Zwickau hat auf einen Vorhalt von mir geantwortet, diese Sachen seien jetzt alle verjährt.

Mag ja rein theoretisch so sein, wenn aber durch die bewusste -staatliche - Nichtverfolgung solcher Straftaten in der Vergangenheit sozusagen ein “systembedingter” Stillstand der Rechtspflege eingetreten ist, dann können die Straftaten auch nicht verjähren, mit diesem Konstrukt - der Hemmung der Verjährung - arbeitet doch die bundesdeutsche Justiz bei vorgeblichen “DDR-Unrecht”  auch.

Und staatlich gesteuerte Nichtverfolgung von Straftaten ist objektiv nachweisbar, schon dann, wenn es um hunderttausende von Menschen geht und dann ist es gleich, ob dieser Stillstand in der alten BRD, der DDR, den USA oder sonst wo stattfand.

Ich wäre Ihnen daher sehr verbunden, wenn Sie die Zeit zu einem solchen - schriftlichen - Interview finden würden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Thomas Höllrich

Herausgeber von handverlesen

www.handverlesen.net


Rückblick mit Vorausschau

Ich krieg ja all die tollen Kommentare der handverlesenen Leserschaft extra per Email zugeschickt, da überliest man keinen.
Der werte handverlesene Leser hat diesen Herausgeber-Luxus leider nicht, daher gehe ich kurz auf solche Kommentare, versehen mit Anmerkungen aus der Jetztzeit (fett und in Garamond), ein:
 
Thema 1: „Wechsel bei den Reichenbacher Linken”
Thema 2: „Bundesdeutsche Angriffkriege”
NEU Thema 3: [...]

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