handverlesen

- - - - - - - - - - - - - - - - - Netzzeitung der humanistischen Atheisten Reichenbachs, des Vogtlands und der weiten Welt - - - - - - - - - - - - - - - parteiisch - aber offen und ehrlich - - - - Streng atheistisch - aber nicht missionierend

Friedliche Koexistenz oder Demokraten verhindern gemeinsam Naziaufmarsch

 

 Bunt statt braun

Die Meldungen, die vor dem 13. Februar 2010 über die Medien liefen, waren, gerade wenn man das staatliche Vorgehen beim G8-Gipfel in Heiligendamm / Rostock persönlich erlebt hat, wenig reiseförderlich.

 

Trotzdem begab sich handverlesen auf die Fahrt nach Dresden, das Anliegen ist zu wichtig, um sich über die Beschlagnahme von Plakaten durch das Zusammenwirken von  Staatsanwaltschaft  und Amtsgericht Dresden und dem natürlich dahinterstehenden politischen Kreisen, die man unschwer in der CDU finden wird, langwierige Gedanken zu machen.

 

Rostock war gerade deshalb ein Erfolg, weil sich die Demonstranten; man denke nur an die Clowns oder die friedlich mit dem Ruf „Wir sind friedlich, was seid ihr?” den offensichtlich von ihrer Einsatzleitung aggressiv-voreingestellten Polizisten entgegentretenden Bürgern; - ich will es mal - offensiv passiv - sprich aktiv gewaltfrei - verhielten und damit das Konzept der gezielten Eskalation durch Provokation durchkreuzten.

 

Mit diesen Erfahrungen im Kopf begab sich handverlesen in einem der drei Busse aus dem Vogtland nach Dresden, um  gemeinsam mit allen Antifaschisten den Aufmarsch der Nazis zu verhindern, dieser „Trauermarsch” der neuen Faschisten diente nicht dem Gedenken an die Menschen, die bei der Bombardierung Dresdens ums Leben kamen, sondern der Rechtfertigung des faschistischen Krieges.

 

Und es sei hier aus juristischer Sicht deutlich gesagt, rechtlich ist das Grundrecht auf Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit so hoch einzuschätzen, dass die Gerichte richtig daran taten, diese Demonstration der Nazis zu genehmigen.

 

Richtig war aber auch der Ausspruch von Konstantin Wecker, der abends über die Fernseher lief, dass nur die friedvolle Blockade das einzige demokratische Mittel ist, solcherlei Aufzügen von Faschisten Einhalt zu gebieten. Nur viele Demokraten und Humanisten können gemeinsam dafür sorgen, dass Nazis nicht durch Dresden oder andere Städte marschieren.

 

Die Menschenmenge der Blockierer war daher vor allem eins: bunt und sie war jung, was mir besonders gefiel, aber sie war nicht nur jung, alle Generationen beteiligten sich an dieser friedlichen Blockade der ewig Gestrigen, die eben keine Schlüsse aus dem von ihren Geistesgenossen begonnenen Krieg gezogen haben, sondern weiter deren menschenfeindliche Ideologie vertreten.

 

 Bunte Blockade

 

Besonders deutlich muss gesagt werden, wenn auch bereits die Oberbürgermeisterin Frau Oroz und Ministerpräsident Tillich die Blockierer in ihren Dank an alle (Gegen)Demonstranten aufgenommen haben,  kein schlimmeres Fanal durch die Welt hätte gehen können, als das, dass  auf der Altstädter Seite  20.000 Gegendemonstranten Händchen gehalten hätten und die Nazis wären getrennt von einem starken Polizeiaufgebot und unter Sperrung der Brücken auf der Neustädter Seite freudig marschiert. Von diesem Bild hätte sich Dresden national und international die nächsten zehn Jahre nicht erholt.

 

Die Menschenkette auf der Altstädter Seite war aber auch deshalb ein solcher Erfolg, weil aufgrund der polizeilichen Sperrung der Brücken es z. B.  von unseren drei Bussen nur eine Handvoll von Mitstreitern auf die Neustädter Seite geschafft hatten und sich die Verbliebenen dieser Kette anschlossen.

 

Aber auch so waren Tausende  von Antifaschisten vor Ort, um sowohl den Albertplatz, als auch alle Straßen rund um den Neustädter Bahnhof zu blockieren. Wobei das handverlesene Duo Uli und ich, das sich geschickt durch die Polizeisperren schlängelte, an der Hansastraße auf die versammelte Landtagsfraktion der Linken stieß , die sich wohl schon seit Stunden gemeinsam frierend der ersten Reihe der absperrenden Polizeikette gegenübersah. Auch da ging es aber lustig und fröhlich zu, wenn auch nur die MdL sich im Bahnhof aufwärmen durften, die ihren Ausweis dabei hatten, so dass Andrea fast die Hände abfroren und Uli mit seinem Vorrat an wärmenden Handschuhen aushelfen musste.

 

 130220102807

 

Besonders gelungen fand handverlesen die Anmeldung von mehreren Aktionen, die sich zufälligerweise rund um den Bahnhof gruppierten und gleich ob genehmigt oder nicht, die Vielzahl der friedlichen Menschen gaben jeder einzelnen Aktion ein solches Gewicht, dass sie nicht weggeräumt werden konnte.

 

Augenfällig war auch das Verhalten der Polizeibeamten.

 

Der Einsatz der Polizei war zwar genau so massiv wie in Rostock, aber er war völlig anders in der Grundausrichtung. Deeskalation, strikte Trennung der faschistischen Demonstranten von  den antifaschistischen Gegendemonstranten, was dazu führte, das zwischen den oben genannten einzelnen angemeldeten Aktionsstellen der Antifaschisten die Polizei stand, die damit die Blockade der Nazis perfekt machte, da einfach kein Platz für diese zum Demonstrieren da war.

 

Genial - und deshalb auch die Überschrift, die Friedliche Koexistenz zwischen der Staatsgewalt und den Gegendemonstranten führte - auch in Verbindung damit, dass die Verkehrsbetriebe ihre Straßenbahnen strategisch günstig abgestellt hatten - zur totalen - friedlichen - Blockade des Naziaufmarsches, was diese, so meine Hoffnung für Dresden und unser Land, auf Dauer  veranlassen wird, ihre Aufmärsche einzustellen, was ein Sieg der humanistischen und demokratischen Kräfte wäre, auf den wir alle zu Recht stolz sein könnten.

 

Friedliche Koexistenz 

 

Und auch für 2011 gilt daher: „No pasaran” - Sie kommen nicht durch.

 

Und ein sehr hoffnungsfrohes Zeichen dafür konnte handverlesen selbst in Reichenbach sichten.

Fotos: handverlesen 

 rc-ohne-nazis


Öffentliche Bauvergabe im Vogtland oder der unerwartete Winter

Ein gutes Archiv ist doch durch nichts zu ersetzen, nun will handverlesen nicht sagen, dass es ein solches hätte, aber ab und an findet man doch mal etwas, was man auch später noch mal brauchen kann.
Die FP titelte in ihrer Ausgabe vom 23.10.2009, Seite 11, ”Internatsbau unter Termindruck”.
Gemeint war der Bau des Internates für das Reichenbacher Berufsschulzentrum, welches [...]

weiterlesen »


Die CDU und der christliche Fundamentalismus

Einem recherchierenden (so was Seltenes soll es doch tatsächlich noch geben) Zeitungsredakteur und einem handverlesenen Leser sowie dem ND (15.02.2010, Seite 5) sei Dank, dass sich doch Belege finden, die die Vermutung belegen, dass gerade im atheistischen Ostdeutschland nach 1990 insbesondere in den Reihen der CDU christlich-fundamentalistische Gruppen eine immer bestimmendere Rolle einnehmen.
Bis hin zu den [...]

weiterlesen »


Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/AR-InternetBeiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.