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Aus dem Archiv - Göttinger-PT 2012

UNVERÖFFENTLICHTES AUS DEM ARCHIV - UNVERÖFFENTLICHTES AUS DEM ARCHIV

wenn ich das schon damals geschrieben habe, das Hochladen ist wieder einmal an den Fotos gescheitert - bis auf das wichtigste (s. u.) - dann soll der geneigte Leser es nunmehr als historisches Dokument lesen und immerhin haben wir bis heute noch die selben - in Göttingen gewählte - Vorsitzenden und Stellv. Parteivorsitzenden und … !  - Schau mal einer an und die Personaldebatte hat sich, wie von mir weise vorausgesehen beruhigt, die Wahl war daher wohl die richtige.

Thomas Höllrich

1.1.2013


Unspektakulär aber überraschend

- der Göttinger Parteitag vom 1. bis 3. Juni 2012 -

Tagungsfakten:

Veranstaltungsort: Lokhalle Göttingen

Anreise: Internationaler Kindertag 2012

Abreise: Am späten Nachmittag des 3. Juni nach Bekanntgabe der letzten Wahlergebnisse

Berichte von so wichtigen Ereignissen, wie dem herbeigefürchteten Parteitag unserer Partei in Göttingen, werden dann doch in der Nachschau geschrieben, gefärbt von den Fragen und Erkenntnissen, die  uns als Delegierte von Außenstehenden, die ihre Eindrücke aus den – subjektiven – Wiedergaben der bürgerlichen Medien haben, suggestiv gestellt bzw. mitgeteilt werden.

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Nein, der Parteitag war nicht spektakulär, weder sind die „westlichen Revoluzzer“ und die östlichen Bartschisten“ mit Messern aufeinander losgegangen noch gab es  gleichgeschaltete 100 % Ergebnisse.

Ja, es gab keinen Wahlvorschlag des Parteivorstandes, wie sonst oder bei den „etablierten“ Parteien üblich und

ja, es ist innerparteiliche Demokratie, wenn die Weisheit der Parteitagsdelegierten diese Lücke füllt. Die vogtländischen Delegierten, in alphabetischer und „gegenderter“ Reihenfolge: Andrea (Roth), Daniel (Bache oder doch Boche?), Sigrid (Mann) und Thomas (Höllrich), hatten damit kein Problem, auch wenn sie durchaus den solidarischen Hinweis von anderen Genossinnen und Genossen bei ihrer Entscheidung mit abgewogen haben und untereinander die zur Verfügung stehenden Alternativen diskutierten.

Ja, ich fand, dass die Reden von Klaus Ernst, Gregor Gysi und Oskar Lafontaine, auch wenn ich jetzt im ND lesen musste, dass die Reihenfolge der letzten beiden Reden durch Münzwurf entschieden worden sein soll, für den Parteitag in der für die Motivation und das Befinden der Parteitagsdelegierten richtigen Reihenfolge gehalten wurden.

Ja, das Schicksal meint es manchmal gut mit uns Linken und wenn es auch nur die Delegierten des Göttinger Parteitages trifft.

Nein, die JW, genauer ihr Redakteur Markus Bernhardt, hat nicht Recht wenn sie (die JW) / er (M. Bernhardt) in jeder emotionalen Regung von Delegierten einen Angriff auf die innere Verfasstheit und Geschlossenheit der Partei sieht.  Auch die  bei mir überaus beliebte Zeitung muss  darauf achten, dass sie die Mittel der Spaltung, die die bürgerlichen Medien geschickt einsetzen, wenn auch mit umgedrehten Vorzeichen, nicht auch anwendet. So hat Klaus Lederer, Daniel wird mir auf jeden Fall zustimmen, sicher nicht den Applaus für Oskar unterbrochen. Und für den Gesang der Internationalen nach dem Sieg von Bernd haben sich seine Anhänger tags darauf entschuldigt. Gott, respektive Marx, was will man mehr.

Aber zunächst möchte ich Euch die, siehe oben, von nachträglichen und von außen kommenden Reflektionen unbeeinflussten Aufzeichnungen vom Sonnabend nicht vorenthalten (kursiv):

- Am Vortage des Parteitages reisten wir an, wobei Sigrid Daniel und mich zügig nach Göttingen chauffierte. Andrea trafen wir dann in unserem Hotel.

- Tagungsort war eine zum „Eventcenter“ umgebaute ehemaliger Lokhalle, die ausreichend Platz für die 568 Delegierten (511 anwesende Delegierte am 2.6.2012, 10:15 Uhr) bietet.

- Bereits bei der Anmeldung wurde durch die schon anwesenden Kandidaten für den Parteivorsitz die gespannte Atmosphäre mehr als deutlich. Sie lastete förmlich auf allen Delegierten. Die vogtländischen Delegierten waren davon jedoch unbeeindruckt und beobachteten die Szenerie in fröhlicher Stimmung von dem dem Eingang zur Tagungsstätte gegenüberliegenden Café aus.

- Der erste Tag in Göttingen klang dann auch mehr oder weniger mit ruhigen intensiven Gesprächen zwischen den Delegierten in den Hotellobbys aus. Jeder der schon mal bei einem Parteitag war weiß natürlich, dass dieses „Ausklingen“ bis in die frühen Morgenstunden andauerte. Ein Teil der vogtländischen Delegation suchte auch kurzzeitig eine örtliche Diskothek zum Zwecke der Zerstreuung auf.

- Der 1. Tagungstag begann natürlich nicht zum offiziellen Beginn um 11.00 Uhr und der beschlossene Zeitplan war mehr als ambitioniert, sprich er war objektiv nicht einzuhalten.

- Klaus Ernst hat mit seiner emotionalen und mitreißenden Rede die Lethargie der Delegierten überwunden und diese aufgerichtet.

- Oskar und Gregor verabschiedeten mit emotionalen Worten den bisherigen Parteivorstand. (Thomas)

Nein, lieber o. g. Markus B.. von der JW, ich hatte nicht den Eindruck, dass die Worte von Gregor und Lafo an Gesine und Klaus nicht ernst und persönlich gemeint waren.

Weiter mit Daniels Mitschrift vom Sonnabend:

- Der Grundtenor der Redebeiträge in der Generaldebatte geht in Richtung des Niederlegens von Grabenkämpfen. Eine Genossin sagt, sie hätte „die Schnauze voll“ ständig als Parteirechte bezeichnet zu werden, nur weil sie aus Brandenburg kommt. Neben dem ständigen Polarisieren der Flügel gegeneinander wird auch das Verhältnis von Genossinnen und Genossen in den Medien kritisiert. Schwerpunktmäßig werden Themen wie der Fiskalpakt und die Friedenspolitik in den Fokus der Debatte gerückt, es sei fatal im Lagerwahlkampf zerrieben zu werden, wenn die Linke eh nur als Mehrheitsbeschaffer von SPD und Grünen wahrgenommen wird. In Bezug auf die Piraten sagte die Genossin Kipping: Wir geben den Menschen das zurück, was die Räuber ihnen wirklich gestohlen haben, denn wir scheuen uns im Gegensatz zu den Freibeutern nicht, die Verteilungs- und Eigentumsfrage zu stellen.

- Gregor Gysi kritisierte in einer ungewohnt direkten Rede, in der er seine in der Vergangenheit vielfach beschworenen Neutralität und seinen Zentrismus aufgegeben hat, dass der Hass innerhalb seiner Fraktion, dass der Hass innerhalb der Partei nicht zu leiten ist und dass, sofern dieser Umstand nicht aufhört, das endgültige Aus unserer Partei bedeuten kann und wird.

- Oskar Lafontaine hingegen motivierte die Anwesenden klar Kante zu bekennen und den Drang und Kampf nach der Freiheit, der Kern unseres politischen Drangs ist, nicht aufzugeben und um unsere Partei zu kämpfen. (Daniel)

Die Reden von Gregor und Oskar sind im ND vom 4. Juni 2012 zum Teil abgedruckt bzw. unter www.die-linke.de vollständig zu finden und sehr lesens- und hörenswert.

Das Wahlergebnis dürfte mittlerweile hinreichend bekannt sein und die o. g. Prophezeiung erfüllte sich natürlich, der Zeitplan wurde weder am Sonnabend noch am Sonntag eingehalten, was dazu führte, das der allgemein beliebte und herbeigesehnte Tanzabend ausfiel, was die vogtländische und befreundete Jugenddelegationen jedoch nicht davon abhielt bis zum Frühstück das Tanzbein zu schwingen.

Mit den langwierigen Wahldurchgängen möchte ich Euch nicht belästigen, nur so viel sei angemerkt.

Die von vielen erwartete Kandidatur von Sahra Wagenknecht für den Parteivorsitz war lange unklar und bewegte, ja belastete sowohl deren Anhänger, als auch die, die sie nicht wählen wollten.

Ein Ereignis am Rande des Parteitages zeigte mir, dass sie sich das nicht antuen sollte, da bei einigen insbesondere weiblichen Delegierten ihr gegenüber die Nerven blank lagen.

Sie gab dann, nach der Wahl von Katja, auch eine persönliche Erklärung ab, dass sie nicht auf der gemischten Liste für den Parteivorsitz kandidieren werde, um die Eskalation nicht auf die Spitze zu treiben. Obwohl ich mir für die Außenwirkung unserer Partei eine Kandidatur von Sahra gewünscht hatte, stellte ich fest, dass schon diese Erklärung zu einer gewissen Entspannung der Atmosphäre führte. Ich tröstete mich damit, dass sowohl Gregor als auch Oskar und Sahra und  auch Dietmar unserer Partei nicht deshalb in den Talkrunden und sonstigen Medien verloren gehen, weil sie nicht Vorsitzende der Partei sind, das waren sie ja zuletzt auch nicht.

Neben einigen zum Teil skurrilen Bewerbern stand daher die Entscheidung um den Co-Vorsitzenden im Zeichen des Zweikampfes zwischen Dietmar Bartsch und Bernd Riexinger, wobei uns Letzterer fast gänzlich unbekannt war.

Die langwierige Abwägung und Wahl und Bekanntgabe des Wahlergebnisses war der eigentliche „Höhepunkt“ des Parteitages.

Gewählt wurde mit knappen 46 Stimmen Vorsprung Bernd Riexinger, wobei die sehr zahlreichen Medienvertreter überwiegend auf Dietmar als Sieger getippt hatten, was man leicht daran erkennen konnte, dass sie nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses erst zu Bernd rennen mußten.

Das Absingen der Internationale durch die Anhänger von Bernd, insbesondere die Liedzeile „Auf zum letzten Gefecht“ wurde dann auch als Siegeshymne scharf durch die Anhänger von Dietmar Bartsch kritisiert, dafür, ich habe es oben schon ausgeführt, haben  sich dann  die Anhänger von Bernd am nächsten Tag entschuldigt. Dort sah sich dann solid auch noch genötigt zu erklären, dass man sich an solchen Gesängen nicht beteiligt habe.

Das war´s aber auch schon an überbürdenden Emotionen.

Besonders großartig empfand ich Dietmar, der natürlich enttäuscht war, aber sofort erklärte, er werde sich weiter in die politische Arbeit der Partei einbringen. Und bei den nachfolgenden Wahlen zu den Stellvertretern, Geschäftsführer, Schatzmeister und Bundesvorstand zeigte sich auch, dass sich alle Richtungen der Partei  in den Gremien wiederfinden können.

Besonderen Glückwunsch allen sächsischen Gewählten.

Zwar stand vielen sächsischen Genossen die Trauer über das Wahlergebnis von Dietmar noch lange im Gesicht geschrieben, trotzdem war einmütig zu hören, dass man jetzt nach der Klärung der Personalien gemeinsam an die politische Arbeit gehen will.

Daran sollten sich alle Delegierte und alle Genoss_innen auch heute und morgen und übermorgen  … erinnern.

Ein Aufbruchsignal für die Konzentration auf die politische Arbeit in unserer Partei ging von Göttingen aus, genügend zu tun haben wir, angefangen bei der Verhinderung des Fiskalpaktes, über die Beendigung der von Deutschland geführten Kriege, Mindestlohn und Börsenumsatzsteuer … bis hin zum Dauerthema Hartz IV.

Darauf müssen wir uns gemeinsam konzentrieren.


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